Von den Amerikanern kann man so manches lernen: Wie man zum Mond fliegt. Wie man Basketball spielt. Und wie man ein Skiresort anlegt – siehe Vail, Beaver Creek oder Breckenridge. Diese US-Skigebiete folgen alle einem Mantra: Ski in, Ski out. Auf Deutsch: kurze Wege vom Hotel zum Lift und umgekehrt.
Dass es in der Schweiz etwas ganz Ähnliches gibt, ist zwei Retos zu verdanken: Reto Poltera und Reto Gurtner haben Lifestyle, Freestyle und Greenstyle in die Alpen gebracht. Beide stammen aus Graubünden, erlebten aber einen amerikanischen Traum: Unabhängig voneinander zogen sie in den 1990er Jahren als junge Sunnyboys nach Kalifornien und inhalierten dort den Westcoast Vibe. Bei ihrer Rückkehr hatten sie die amerikanische Kombination aus Surfen, Skaten und Snowboarden im Gepäck und eine kühne Vision: Den US-Spirit in ihre leicht verstaubte Heimat zu bringen, genauer gesagt nach Laax, das zusammen mit Flims und Falera 235 Pistenkilometern bietet und damit eines der grössten zusammenhängenden Wintersportgebiete der Schweiz bildet.
Eine kleine Wintersportrevolution
Heute ist Reto Gurtner Präsident der von ihm gegründeten Weisse Arena Gruppe, einem integrierten Dienstleistungsunternehmen im Tourismus- und Freizeitbereich, zu dem neben Bergbahnen, Hotels und Gastronomiebetrieben auch eine Ski- und Snowboardschule sowie eine Managementgesellschaft gehören. Reto Poltera leitet den Bereich Education & Equipment der Gruppe. Gemeinsam haben sie in der Schweiz eine kleine Wintersportrevolution ausgelöst, die weltweit Beachtung findet. Wie? Indem sie statt gleichförmig-glatter Pisten aufregende Snowparks mit Steilkurven und Schanzen bauten und Laax zu einem der weltweit führenden Skigebiete für Freestyler machten. Es gibt 28 Skilifte, fünf Snowparks, die grösste Halfpipe der Welt und mit der Freestyle Academy die erste Indoor-Freestyle-Halle Europas.

Inoffiziell wird die knapp über 2100 Einwohner zählende Gemeinde längst als Kalifornien der Alpen bezeichnet, obwohl sie idyllisch eingebettet in der Region Surselva im Schweizer Kanton Graubünden, 90 Autominuten von Zürich entfernt, liegt. Auf dem Pistenplan gliedert sich das Skigebiet in eine Reihe von zerklüfteten Tälern und unberührten Waldgebieten - alles im Schatten des Vorabgletschers und der markanten Gipfel der Unesco-Welterbestätte Tektonikarena Sardona.
Anders als in den bekannten Schweizer Skiorten wie St. Moritz, Klosters oder Samnaun prägen hier nicht wohlhabende Unternehmer und Society-Ladies in teuren Designer-Skioutfits die Szene, sondern junge Snowboarder, die direkt von der Piste in die Bar gehen – ohne sich vorher umzuziehen. Sportbegeisterte, Skifahrer und Snowboarder kommen nicht wegen Glitzer und Glamour nach Laax, sondern wegen der grossartigen Abfahrten, der atemberaubenden Landschaft und der coolen Dorfatmosphäre.
Dazu punktet Laax mit kompromissloser Nachhaltigkeit – die Weisse Arena Gruppe setzt auf grüne Energie, umweltfreundliche Produkte und einen bewussten Umgang mit Ressourcen. Seit 2008 werden die Bergbahnen CO₂-neutral betrieben, alle Skilifte fahren mit erneuerbarem Strom, die Gondel FlemExpress funktioniert nach Bedarf, um unnötige Fahrten zu vermeiden. Die künstliche Beschneiung ist CO₂-neutral, die Pistenraupen haben mit Hybridantrieb und sind digital optimiert, Wassertankstellen sind reichlich vorhanden und kostenlos, ebenso wie E-Shuttles rund um das Skigebiet. Es gibt einen kostenlosen Reparaturservice für Skibekleidung, um deren Lebenszyklus zu verlängern und vertikale Gärten an den Talstationen der Skilifte, die Bienen, Vögeln und Insekten das ganze Jahr über Nahrung bieten. Bis 2030 soll das gesamte Skigebiet nicht nur CO₂-neutral sein, sondern auch seine eigene Energie aus erneuerbaren Quellen produzieren. Mit dieser ausgeprägten Nachhaltigkeitsorientierung ist Laax ein Vorreiter des ökologischen Tourismus in den Alpen.
Laax wurde mehrmals zum weltbesten Freestyle Resort ausgezeichnet
Das allein mag für viele Grund genug sein, ihren Skiurlaub lieber hier als in Crans, Cortina oder Courchevel zu verbringen. Doch der eigentliche Unique Selling Point ist das einzigartige Freestyle-Angebot – eine zweckmässige Angelegenheit, vollgepackt mit Öko-Design und innovativer Technik. Laax wurde bei den World Ski Awards zum neunten Mal in Folge als weltbestes Freestyle Resort ausgezeichnet und die legendäre, 2010 gegründete Freestyle Academy ist nach einer zweijährigen Neugestaltung gerade neu eröffnet worden – mit fast doppelter Grösse und einer hochmodernen unterirdischen Halle mit Skatebowl, Rampen, Freestyle-Trampolinen, Parkour-Zone mit Sprungturm, Airbags und Kameras, die die Sprünge filmen.

Auch abseits von Piste, Halfpipe oder Trampolin wird es nicht langweilig. Wo sich junge Snowboarder tummeln, sind coole Cafés/Bars/Clubs nicht weit. Direkt hinter der Freestyle Academy steht das Riders Hotel, eine hippe Herberge in minimalistischem Scandi-Syle. Auch Nicht-Hotelgäste schätzen das experimentierfreudige vegetarische Restaurant, die lässig-urbane Lobby-Cocktailbar und den Club mit Top-DJs und vielen hochkarätigen Acts.
Als Star unter den Hotels im Ort gilt allerdings das 2009 direkt bei der Talstation Laax Murschetg eröffnete Rocksresort Design Hotel, ein avantgardistisches Ensemble mit würfelförmigen Gebäuden aus massivem Valser Quarzit, die sich wie zufällig herumliegende Findlinge um einen zentralen Platz gruppieren. Im Laufe der Jahre sind neue Gebäude hinzugekommen, in diesem Jahr werden zwei weitere Kuben fertiggestellt. Angesagte Treffpunkte zum Après-Ski, der hier gerne bis in den späten Abend dauert, sind das pan-asiatische Restaurant Nooba und die rustikale Bar Il Pup. Natürlich steht auch im Rocksresort der bewusste Umgang mit den Ressourcen und der Umwelt im Mittelpunkt. Sowohl der Energiebedarf als auch der ökologische Fussabdruck sollen klein gehalten werden – was offenbar gelungen ist: 2024 wurde das Rocksresort bei den World Ski Awards als World's Best Green Ski Hotel ausgezeichnet. Zum sechsten Mal.
Essen & Trinken
Grandis Ustria da Vin: Modern gestaltete und trotzdem gemütliche Vinothek mit Restaurant. Zur Auswahl von über 1000 Weinen gibt es Raclette mit Waldpilzen, Polenta mit Käse oder Hirschfilet vom Grill. grandislaax.ch
Tankstelle Bar & Shop: Coole Musik, stylisches Ambiente, leckere Cocktails und ein Upcycling-Laden für Vintage-Mode. Via Murschetg 25, Tel. +41 81 92797 97
Ristorante Camino: Pizzen aus dem Holzofen und echte italienische Mittelmeerküche wie „dalla Nonna“. Dazu: die entspannte Camino Bar mit besten Drinks und Wohlfühlatmosphäre. signinahotel.com
Tegia Larnags: Gemütliche Berghütte mit Terrasse und währschafter Schweizer Küche – Rösti, Fondue, Capuns und Fleisch aus dem Beefer, alles fein zubereitet und köstlich. larnags.ch
Tegia Curnius: Noch eine Berghütte, diesmal im minimalistisch-modernen Lodge-Stil und mit besten Bündner Spezialitäten wie Maluns, Salzis, Bergkäse oder Gerstensuppe. curnius.ch
Indy Bar: ein gemütlicher Ort für einen Drink, ein Bier oder einen traditionellen Glühwein. Nachmittags ist die Open-Air-Bar geöffnet, abends sorgen DJs und Bands für gute Stimmung. Via Murschetg 15, Tel. +41 81 927 96 96
Über Nacht
Riders: Die 69 Zimmer sind ebenso schick wie umweltbewusst gestaltet mit sichtbaren Holzdetails und modernen Mid-Century-Elementen, bequemen breiten Betten, wandhohen Fenstern und grosszügigen Walk-in Duschen. Es stehen auch Familien-, Freundes- und Studiozimmer zur Verfügung. ridershotel.com
Rocksresort: 206 modern ausgestattete Apartments in verschiedenen Kategorien und Grössen für maximale Flexibilität. Die Unterkünfte sind speziell für Selbstversorger konzipiert, für zusätzlichen Komfort können Hotelservices dazu gebucht werden. rocksresort.com
Text: Patricia Engelhorn
Fotos: Phillip Rugg
Publiziert: 18. Februar 2025